Statue der Schmerzensmadonna in Gramatneusiedl. Das Denkmal stammt aus dem Jahr 1764.
Die Schmerzensmadonna, auch Mater Dolorosa genannt, ist ein zentrales Motiv der christlichen Kunst und zeigt Maria als leidende Mutter, die den Schmerz über das Leiden und den Tod ihres Sohnes in sich trägt. Im Unterschied zu triumphalen Marienbildern steht hier nicht Erhöhung, sondern inneres Leid im Vordergrund, das bildlich durch ein oder mehrere Schwerter im Herzen Mariens ausgedrückt wird.
Die heute geläufige Darstellung mit sieben Schwertern verweist auf die sogenannten Sieben Schmerzen Mariens, die sieben entscheidende Leidensstationen umfassen: die Weissagung Simeons im Tempel, die Flucht nach Ägypten, den Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel, die Begegnung mit Jesus auf dem Kreuzweg, die Kreuzigung, die Abnahme vom Kreuz und die Grablegung. Die Zahl sieben besitzt in der biblischen Symbolik die Bedeutung von Vollständigkeit und macht deutlich, dass das Leid Mariens als umfassend und ganzheitlich verstanden wird. Zugleich knüpft das Schwertmotiv an die Weissagung Simeons an, der Maria ankündigt, ein Schwert werde ihre Seele durchdringen.
Historisch geht das Motiv auf das Hochmittelalter zurück. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert entwickelten sich in der Theologie und in der privaten Andacht verstärkt Betrachtungen über das Leiden Mariens, insbesondere im Umfeld der Zisterzienser und Franziskaner. In der bildenden Kunst erscheint die Schmerzensmadonna im 14. Jahrhundert zunächst mit einem oder wenigen Schwertern. Erst im 15. Jahrhundert setzte sich die Darstellung mit sieben Schwertern durch, parallel zur festen Etablierung der Andacht zu den Sieben Schmerzen Mariens. Im Barock wurde das Motiv weiter ausgeprägt und emotionalisiert, mit ausdrucksstarken Gesichtern, Tränen und deutlich hervorgehobenen Schwertern, wodurch es zu einem festen Bestandteil der christlichen Ikonographie wurde.