Die Pestsäule auf dem Kirchenplatz in Guntramsdorf ist ein bedeutendes Zeugnis barocker Sakralkunst und erinnert an eine Zeit, in der die Pest große Teile Europas heimsuchte. Das im Jahr 1713 errichtete Denkmal steht unmittelbar bei der Pfarrkirche zum heiligen Jakobus dem Älteren. Es wurde von der Bevölkerung als Zeichen der Dankbarkeit, des Glaubens und der Bitte um Schutz vor weiteren Seuchen gestiftet.
Auf einem mehrstufigen Unterbau erhebt sich ein reich verzierter Sockel, an dessen vier Ecken lebensgroße Heiligenfiguren stehen. Dargestellt sind der heilige Rochus, der heilige Sebastian, der heilige Karl Borromäus sowie der heilige Franz Xaver. Mehrere dieser Heiligen wurden besonders in Zeiten schwerer Epidemien angerufen und galten als Fürsprecher gegen Krankheit und Leid.
Die Seitenflächen des Sockels sind mit kunstvollen Reliefs geschmückt. Sie zeigen unter anderem den Apostel Petrus, König David mit seiner Harfe und Jesus beim Gebet am Ölberg. Die biblischen Szenen stehen sinnbildlich für Buße, Gebet und das Vertrauen auf göttlichen Beistand.
Über dem Sockel erhebt sich eine schlanke Säule mit korinthischem Kapitell. Bekrönt wird sie von einer Statue der Maria Immaculata, der unbefleckt empfangenen Gottesmutter. Maria steht auf einer Mondsichel und ist von einem Sternenkranz umgeben. Als Sinnbild für Reinheit und Hoffnung bildet sie den Mittelpunkt des religiösen Bildprogramms der Pestsäule.
Im Laufe ihrer mehr als 300-jährigen Geschichte wurde die Pestsäule mehrfach instand gesetzt. Neben einer Renovierung im Jahr 1893 erfolgte 2021 eine umfassende Restaurierung. Dabei wurde auch eine Zeitkapsel mit Dokumenten und Münzen eingemauert, die an die COVID-19-Pandemie erinnert. Damit entstand eine bemerkenswerte Verbindung zwischen den historischen Pestepidemien und den Herausforderungen der Gegenwart.
Heute zählt die denkmalgeschützte Pestsäule zu den charakteristischen historischen Sehenswürdigkeiten Guntramsdorfs. Sie ist nicht nur ein kunsthistorisch wertvolles Monument, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie die Menschen vergangener Jahrhunderte mit Krankheit, Angst und Unsicherheit umgingen und im Glauben Hoffnung und Zuversicht fanden.