Am Ende des barocken Kreuzwegs von Heiligenkreuz steht eine Christusfigur, die den Abschluss und geistigen Höhepunkt des Weges bildet. In einer rundbogigen, rosé-weiß gefassten Nische dargestellt, erscheint Christus leidend, gesammelt und in sich gekehrt. Der leicht nach vorne geneigte Körper, das sparsam drapierte Tuch und der ernste Gesichtsausdruck verweisen nicht auf dramatische Aktion, sondern auf stilles Ertragen und innere Hingabe. Die Figur lädt zur persönlichen Betrachtung ein und wirkt wie ein Moment des Innehaltens nach dem langen Weg der Passion.
Der Kreuzweg selbst entstand zwischen 1731 und 1748 auf Initiative von Abt Robert Leeb, der ihn nach dem Vorbild des Kreuzwegs in Jerusalem anlegen ließ, den er selbst begangen hatte. In 13 Stationen führt er durch eine barocke Landschaft der Andacht, gestaltet von bedeutenden Künstlern der Zeit, darunter Giovanni Giuliani. Die Christusdarstellung am Ende fasst diesen Weg sinnbildlich zusammen: als ruhiger, eindringlicher Abschluss eines Pilger- und Meditationswegs, der Leiden, Glauben und Erlösung miteinander verbindet.