Die neunte Station ist in einer der 14 Stationskapellen des barocken Kreuzwegkapelles von Heiligenkreuz untergebracht. Der annähernd rechteckige Bau ist an der Vorderseite durch eine große rundbogige Öffnung erschlossen. Seitliche Pilaster mit dekorierten Kapitellen gliedern die Fassade und tragen ein profiliertes Gesims. Über dem Bogen befindet sich eine reich geschwungene Kartusche mit der Aufschrift „IX STATIO“. Das mehrfach abgestufte, mit Holzschindeln gedeckte Dach folgt mit seinen geschwungenen Formen der barocken Fassadengestaltung. Ein Kreuz bekrönt den kleinen Dachaufsatz. Ein kunstvoll gearbeitetes schmiedeeisernes Gitter verschließt die Kapelle, ermöglicht jedoch weiterhin den Blick auf die Darstellung im Inneren.

In der Kapelle befindet sich ein farbig gefasstes Relief, das die neunte Kreuzwegkapellestation – den dritten Fall Christi unter dem Kreuz – zeigt. Christus ist mit der Dornenkrone zu Boden gestürzt und versucht, sich mit einer Hand abzustützen. Das schwere Kreuz liegt diagonal über seinem Körper und bestimmt den Bildaufbau. Hinter ihm greift eine weitere Figur nach dem Kreuzbalken, während ein gerüsteter Soldat Christus mit einem Seil vorwärtszerrt und mit erhobener Keule bedroht. Im Hintergrund erscheinen zusätzliche Soldaten und Zuschauer. Eine Standarte mit der Aufschrift „S.P.Q.R.“ verweist auf die römische Staatsgewalt.

Die plastisch ausgeführten Figuren treten vor einen gemalten landschaftlichen und architektonischen Hintergrund. Durch die Verbindung von Relief, Bemalung und Tiefenwirkung entsteht eine besonders lebendige und dramatische Szene. Diese Form der Inszenierung entspricht dem barocken Bestreben, das Passionsgeschehen möglichst anschaulich und emotional erfahrbar zu machen.

Der Kreuzwegkapelle nordöstlich des Stiftes Heiligenkreuz entstand im 18. Jahrhundert auf Initiative von Abt Robert Leeb. Dieser hatte als junger Priester Jerusalem besucht und dort den traditionellen Leidensweg Christi kennengelernt. Nach seiner Wahl zum Abt ließ er in Heiligenkreuz einen Kreuzwegkapelle nach dem Vorbild der Jerusalemer Via Dolorosa anlegen. Die Stationen waren zunächst durch Holzkreuze gekennzeichnet und wurden später durch dauerhaft ausgeführte Kapellen ersetzt.

Jede der 14 Stationen erhielt eine eigene Kapelle. Die zwölfte Station hebt sich durch einen größeren und architektonisch aufwendigeren Kapellenbau hervor. Die Gesamtanlage wurde als zusammenhängende barocke Sakrallandschaft gestaltet, in der Architektur, Bildhauerei, Malerei und Landschaft eng miteinander verbunden sind. Der Weg von Kapelle zu Kapelle sollte den Gläubigen ermöglichen, die einzelnen Stationen der Passion Christi schrittweise nachzuvollziehen und meditativ zu betrachten.

An der künstlerischen Gestaltung waren mehrere bedeutende Meister beteiligt. Die architektonische Planung der Kapellen wird Franz Anton Pilgram zugeschrieben, während Giovanni Giuliani an der bildhauerischen Gesamtgestaltung beteiligt war. Die Reliefs werden mit dem Heiligenkreuzer Laienbruder Lukas Troger in Verbindung gebracht. Gemalte Hintergründe und weitere malerische Ausstattungen ergänzen die plastischen Darstellungen und verstärken deren räumliche Wirkung. Gemeinsam bilden die 14 Kapellen eines der bedeutenden Beispiele barocker Kreuzwegkapellearchitektur in Österreich.

Objektfotos
Niederösterreich 3D - Stift Heiligenkreuz - Kreuzwegkapelle
Niederösterreich 3D - Stift Heiligenkreuz - Kreuzwegkapelle

Standort



Mehr aus dem Bezirk Baden: