Die Ruine Hinterhaus erhebt sich weithin sichtbar auf einem steilen Felsrücken oberhalb des Marktes Spitz an der Donau und zählt zu den markantesten mittelalterlichen Wehranlagen der Wachau. Ihre Lage hoch über dem Donautal ist nicht nur landschaftlich eindrucksvoll, sondern erklärt auch ihre ursprüngliche Funktion: Die Burg diente der Kontrolle des Donaustroms, der Handelswege und des umliegenden Territoriums und war damit ein wichtiger Macht- und Verwaltungsstützpunkt im mittelalterlichen Niederösterreich.
Die Anfänge der Burg reichen in das 12. Jahrhundert zurück, auch wenn sie erst im Jahr 1243 erstmals urkundlich erwähnt wird. Vermutlich wurde sie von einer hochrangigen Ministerialenfamilie errichtet, möglicherweise im Umfeld der Formbacher oder anderer adeliger Dienstmannen der Landesfürsten. Bereits früh war klar, dass der Standort militärisch wie strategisch ideal gewählt war: Der felsige Untergrund bot natürlichen Schutz, während der Blick über das Donautal eine frühzeitige Erkennung von Handelszügen oder feindlichen Truppen erlaubte.
Im 13. Jahrhundert gelangte die Burg in den Einflussbereich der mächtigen Kuenringer, einer der bedeutendsten Adelsfamilien im Donauraum. Sie nutzten das Hinterhaus weniger als Wohnsitz, sondern vor allem als Verwaltungs- und Sicherungsanlage und ließen die Burg meist durch Burggrafen verwalten. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Besitzer mehrfach, was typisch für bedeutende Festungen dieser Zeit war. Unter anderem standen die Wallseer, die Maissauer sowie später die Herren von Neidegg mit dem Hinterhaus in Verbindung. Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts ging die Burg schließlich in den Besitz der habsburgischen Landesfürsten über, womit sie Teil der landesfürstlichen Verwaltung wurde.
Die wechselvolle Besitzgeschichte spiegelt sich auch im baulichen Erscheinungsbild der Anlage wider. Die Ruine ist terrassenförmig aufgebaut und passt sich in ihrer Struktur eng dem steilen Gelände an. Sie gliedert sich in mehrere Abschnitte, darunter Vorburgen und die eigentliche Hauptburg, die den ältesten Kern der Anlage darstellt. Mächtige Ringmauern, Reste von Wehrgängen sowie der ehemalige Palas – das repräsentative Wohngebäude – lassen noch heute die einstige Größe und Wehrhaftigkeit der Burg erahnen. Einzelne Bauteile weisen romanische und später gotische Elemente auf, was auf wiederholte Umbauten und Erweiterungen im Laufe der Jahrhunderte hinweist.
Mehrfach wurde das Hinterhaus in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Belagerungen, unter anderem im Zusammenhang mit ungarischen Einfällen im 15. Jahrhundert, führten zu schweren Beschädigungen. Zwar wurde die Burg danach teilweise wieder instand gesetzt, doch verlor sie mit dem Wandel der Militärtechnik und der Verlagerung administrativer Zentren allmählich an Bedeutung. Spätestens im 16. Jahrhundert begann der Niedergang, und die Anlage wurde nach und nach aufgegeben. Natur, Witterung und Steinraub trugen dazu bei, dass sie schließlich zur Ruine verfiel.
Erst im 20. Jahrhundert rückte die Ruine wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein. Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen verhinderten weiteren Verfall, und seit 1970 befindet sich die Anlage im Besitz der Marktgemeinde Spitz an der Donau. Heute ist die Ruine frei zugänglich und ein beliebtes Ziel für Wanderer, Geschichtsinteressierte und Besucher der Wachau. Besonders geschätzt wird der weite Ausblick über das Donautal, der eindrucksvoll verdeutlicht, warum dieser Ort im Mittelalter von so großer strategischer Bedeutung war.
Die Ruine Hinterhaus ist damit nicht nur ein stiller Zeuge vergangener Machtverhältnisse, sondern auch ein Ort, an dem sich Geschichte, Landschaft und regionale Identität auf besondere Weise verbinden. Sie erzählt von adeligen Familien, politischen Umbrüchen und dem Wandel militärischer Architektur – und ist zugleich ein prägendes Wahrzeichen der Wachau, das bis heute die Silhouette von Spitz an der Donau bestimmt.